Gedenken am Mahnmal
Erinnerung an die Opfer der Hexenverfolgung
Anna Maria Tintelnot wurde nach dreimaliger Folter ohne Geständnis 1654 entlassen und konnte fliehen. In der Nähe ihres vermuteten Wohnortes an der Anna-Maria-Titelnot-Twete erinnert ein Denkmal an die Opfer der Hexenverfolgung mit den Worten „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Pfarrer i.R. Martin Hankemeier, Vorsitzender des Arbeitskreises Hexenverfolgung im Ortsverein Detmold des Lippischen Heimatbundes, erinnerte daran, dass in ganz Lippe Menschen dem Hexenwahn zum Opfer fielen. Den Opfern wurde ihre menschliche Würde abgesprochen. „Wir wollen an die Verbrechen der Vergangenheit erinnern, um daraus zu lernen. Wer seine Vergangenheit vergisst, ist dazu verurteilt, die Fehler zu wiederholen“, so Hankemeier. Er erinnerte an das Schicksal von Anna Tegeler aus Mosebeck. Sie wurde 1658 von ihrem Nachbarn, dem Bauern Hermann Körner, der Schadenszauberei bezichtigt, weil sein Pferd erkrankte. Die Klage wurde vom Detmolder Gericht zunächst abgewiesen. Der Bauer ließ jedoch nicht locker, bis es ihm gelang, Anna Tegeler ein Jahr später auf den Scheiterhaufen zu bringen.
Hankemeier zitierte die „Blomberger Erklärung“ der lippischen Kirchen vom 13. Mai 2012, in der es heißt: „Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen weder diskriminiert, noch verteufelt, noch unschuldig verurteilt werden. Wir unterstützen die weltweiten Bemühungen, die Folter und die Todesstrafe in jedem Land abzuschaffen. Für die Verwirklichung der Menschenrechte treten wir ein.“
Eva Kauer vom CVJM Pivitsheide umrahmte die Gedenkfeier für die Opfer der Hexenverfolgung in Detmold musikalisch auf dem Englischen Bariton mit Chorälen von Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635), einem frühen Kritiker der Hexenprozesse, und dem Spiritual „Deep River“.
Detmolds stellvertretende Bürgermeisterin Corinna Peter-Werner überbrachte Grüße vom Bürgermeister und Rat der Stadt Detmold. Heutzutage werde das Hexenbild unkritisch für Werbezwecke, Kinderbücher und Kostüme benutzt und die Grausamkeit der Verfolgung ausgeblendet. Es falle nicht schwer, Parallelen zu ziehen. Ausgrenzungen wegen ethnischer und religiöser Zugehörigkeit oder sexueller Orientierung seien auch heute allgegenwärtig. Die Inschrift „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ sei kein abstraktes Ideal, sondern ein Auftrag an alle, genau hinzusehen, wenn Menschen entwürdigt werden.
06.05.2026
